Ein Artikel darüber, wie Zeitschriften zu ihren Beiträgen kommen. Was mir dazu passiert ist und wie ich dabei gehandelt habe.

Arrogant oder nur Dreist?

Folgender Mailverkehr spielte sich heute in meinem Postfach ab. Namen sind durch XXX unkenntlich gemacht:

1. Mail:

Sehr geehrter Herr Zimmermann,

derzeit erstellen wir in der bekannten Photographie-Zeitschrift „FotoPraxis“
aus dem Data-Becker-Verlag eine Foto-Reportage zum Thema Foto-Shooting. Bei
der Recherche sind uns Ihre Foto-Arbeiten aufgefallen. Gerne würden wir
diese gelungenen Bilder im Rahmen eines Artikels und Interviews unseren
Lesern vorstellen und auf die Technik eingehen. Dazu benötigen wir ein paar
Informationen:

-Worauf kommt es beim Shooting an?

-Welche Location sollte man auswählen?

-Wie bereitet man sich auf ein Shooting vor?

-Worauf sollte man beim Foto-Shooting achten? Was gehört zum Equipment?

-Wie sucht man ein passendes Model aus?
-Was muss man mit dem Kunden im Vorfeld besprechen?

-Die Zusammenarbeit mit den Art-Directoren, wer hat das sagen?

-Wie muss ich den Kunden behandeln, was ihm anbieten?

Anschließend geht es uns um Bildbearbeitung:

-Wie muss man die Bilder bearbeiten?

-Was ist dabei gewünscht? Wie weit kann man dabei gehen?

-Ein paar Tipps zur Bildbearbeitung mit Vorher-Nachher-Charakter…welche
Tools kommen zum Einsatz?

-Welche Formate müssen es sein?

Wenn Sie Lust haben, machen wir Seiten über Ihre Aufnahmen und stellen Sie
als Fotograf vor.

Auf Ihre Rückmeldung freue ich mich,

Beste Grüße,

xxx

xxx Publishing GmbH & Co KG
xxx, M.A. | Redaktionsassistentin

xxx | 40477 Düsseldorf | Germany
Telefon +49.2xxx757 | Fax +49 xxx4 609
E-Mail xxx@tixxxprint.de | web www.xxx.de

Timxxxnt GmbH & Co. KG (HRA 183xxxAG Düsseldorf)
Komplementär: TimxxxBeteiligungs GmbH (HRB xxx AG Düsseldorf)
Geschäftsführender Gesellschafter: René xxx, M.A.
xxx | 40477 Düsseldorf

Meine Antwort

Betreff: Re: Presseanfrage: Artikel „Foto-Shooting“

Guten Tag,

Ich wäre an einer Zusammenarbeit mit Ihnen interessiert. Bis wann
benötigen Sie die erwarteten Informationen?

Zu welchen Konditionen werden Texte und Bilder bei Ihnen abgerechnet?

Mit freundlichem Gruß

Jörg Zimmermann
www.veritas-odium-parit.de

Und jetzt die erstaunliche Anwort

Hallo Herr Zimmermann,

danke für die schnelle Rückmeldung. Das Bildmaterial und Informationen dazu
benötigen wir bis zum 21.07.
Den Artikel können Sie als Werbung für Sie als Fotograf betrachten. Wir
werden natürlich auf Ihre Website und Ihr Foto-Studio hinweisen. Auf acht
Seiten in unserem Magazin ist genug Platz, um sich zu präsentieren…

Freundliche Grüße aus Düsseldorf,
xxx

xxx Publishing GmbH & Co KG
xxx, M.A. | Redaktionsassistentin

xxx | 40477 Düsseldorf | Germany
Telefon +49.2xxx757 | Fax +49 xxx4 609
E-Mail xxx@tixxxprint.de | web www.xxx.de

Timxxxnt GmbH & Co. KG (HRA 183xxxAG Düsseldorf)
Komplementär: TimxxxBeteiligungs GmbH (HRB xxx AG Düsseldorf)
Geschäftsführender Gesellschafter: René xxx, M.A.
xxx | 40477 Düsseldorf

Ich muss ja gestehen, dass ich einen Augenblick drüber nachgedacht habe, auf dieses Angebot einzugehen, aber dann hab ich doch zwei Sekunden drüber nachgedacht und bin zu folgender Antwort gekommen:

Guten Tag,

ich fasse nochmal zusammen:
benötigt werden die unten stehenden Informationen und zusätzlich
Bildmaterial ausreichend für 8 Seiten ihres Magazins, richtig?

ihre einleitenden Worte waren: „derzeit erstellen wir in der bekannten
Photographie-Zeitschrift „FotoPraxis“ aus dem Data-Becker-Verlag eine
Foto-Reportage zum Thema Foto-Shooting.“

Ich frage Sie… wer erstellt den Artikel und wer wird daran verdienen?
Eine Agentur, die für einen solchen Verlag arbeitet, sollte es sich
leisten können, zumindest das Bildmaterial zu den üblichen Marktpreisen
abzurechnen. Einen Fotografen ohne Referenzen auf
diese Art und Weise zu
locken, halte ich für im höchsten Maße unseriös und unprofessionell. Hinzu
kommt, dass Sie kein Wort zum Verbleib der Urheberrechte des geschriebenen
Artikels erwähnt haben. Auch dies weckt nicht gerade Vertrauen bei mir.

Wie Sie sicher schon aus meinem Wortlaut entnehmen können, lehne ich
jegliche weitere Zusammenarbeit mit Ihnen ab.

mit freundlichem Gruß

Jörg Zimmermann
www.veritas-odium-parit.de

Die Frage, die sich mir jetzt stellt: Ist das üblich so? Gibt es Agenturen, die im Internet nach Hobbyfotografen oder Semiprofessionellen suchen und diese auf diese Art und weise ausnehmen? Denn nichts anderes ist es für mich, wenn ich die Arbeit mache und die Agentur meinen Artikel an einen großen Verlag verkauft. Normalerweise werde ich für Arbeit bezahlt und in Anbetracht der Kürze der Zeit wäre das kein Pappenstil, was ich da für die Redaktionsassistentin schreiben sollte. Das wären mit Sicherheit 5 bis 8 Stunden Arbeit. Und wenn ich bedenke, dass ich meinen Stundenlohn auf 25 EUR als unterstes Limit setze, dann kommen wir auf einen Preis von 200 EUR nur für den Text. Und es ist wohl kein Geheimnis, dass ich mich da schon weit unter Wert verkaufe. Hinzu kommen dann noch die Bilder. Wenn man bedenkt, dass Magazine üblicher Weise pro bild mindestens 50 EUR bezahlen und ich für einen solchen Artikel um die 10 Bilder zur Verfügung stellen müsste, kämen wir am Ende auf einen Preis von um die 700 EUR. Und sollte ich jemals Werbung in der FotoPraxis benötigen, dann sollte dieses Angebot doch für 700 EUR zu haben sein.

Das Dumme ist, dass sie mit Sicherheit jemanden finden werden, der sich für diesen Deal aus Gründen der Selbstbeweihräucherung hergibt.

Ist das nun arrogant oder einfach nur Dreist? Ist euch auch schon so was passiert? Erzählt mal!